Das hydrotherapieutische Thermalbad

Nach der napoleonischen Plünderung wurde die Kartause von Pesio vom Cav. Giuseppe Avena gekauft, der das Kloster, nachdem er zahlreiche Räume ändern und restaurieren ließ, in ein hydrotherapeutische Bad verwandelte, das von Mitte bis Ende des neunzehnten Jahrhunderts ein Ferienort war, der von der Highsociety Europas besucht wurde.


Außer der zahlreichen Suiten, die 150 Personen beherbergen konnten, fanden in dem großen Hotelkomplex auch elegante Spiel-, Lese- und Tanzsäle Platz. Darüber hinaus fehlten auch die Sprechzimmer von Ärzten nicht, die die Patienten mit Problemen am Herzen oder des Nervensystems kurierten, oder sich um geschwächte oder erholungsbedürftige Personen kümmerten.


So wurde die Kartause von zahlreichen und auch berühmten Leuten wie die Politiker Camillo Benso Conte di Cavour, Massimo d’Azeglio und Giovanni Giolitti, der Schriftsteller Sthendal, der Ägyptenkenner Fabretti und der Botaniker Burnat frequentiert, Verfasser von eingehenden Studien der Flora im Pesiotal; der Naturschutzpark hat ihm eine Station im Hochgebirge für die alpine Vegetation und den Dokumentarfilm "Der Orchideenweg" gewidmet.


Zum Pesiotal stiegen auch die Prinzessinnen Clotilde und Maria Pia von Savoyen, so wie der zukünftige König Umberto auf, so als wolle er mit seiner Anwesenheit als letzter König Italiens die Jahrhunderte alte und enge Bindung zwischen dem savoyischen Hof und der Kartause von Pesio besiegeln.


Giuseppe Avena war auch der Besitzer der königlichen Glas- und Kristallfabrik von Chiusa, die 1760 von den Savoyern im Pesiotal wegen des Waldreichtums der Kartäuser mit seinem für die damalige Zeit unentbehrlichen Brennstoff angesiedelt wurde.


Erzeugnisse der chiusanischen Herstellung bester Glasqualität, die ungefähr ein Jahrhundert andauerte, findet man heute im interessanten und gut unterteilten, städtischen Museum von Chiusa Pesio.


Mit dem Tode des Cav. Avena im Jahre 1853 wurde die Leitung des Bades vom Schwiegersohn Luigi Suaut übernommen, dessen Tochter den Rechtsanwalt Biagio Caranti heiraten wird, einer der Tausend des Garibaldinischen Feldzugs und Verfasser unter anderem eines umfangreichen Werkes über die Kartause von Pesio.


Ende des 18. Jahrhunderts wurde das antike Kloster nach und nach zu einem Kurort für die Sommerzeit im Gebirge und 1915, als der 1. Weltkrieg ausbrach, schloss das große Hotel der Kartause endgültig.